Windstärke 8

Windstärke 8
an meinem Lieblingsort...

Dienstag, 17. August 2010

Venedig

Jetzt bist du in Venedig,
und ich sehe dich
durch abgelegene Gassen gehen,
staunend vor der Architektur
und dem Geist der Stadt.
Ich sehe dich auf Brücken stehen,
und der langsame Fluss der Lagune
lässt dich traurig werden.
Liebespaare schlendern Arm in Arm,
oder sie fahren eng umschlungen in Gondeln.
Vielleicht versuchst du ein kleines Lokal zu finden,
in dem es Tomaten, Zuccini und Brot gibt,
weil die Köchin krank geworden ist.
Sicher gibt es jetzt irgendwo Weinranken mit reifen Trauben,
doch du stehst vor den reifen Früchten
und isst stumm deine Rosinen.
Ich sehe dich und deine Augen,
in deren Strahlen sich die Stadt spiegeln sollte,
doch alles ist grau und leer,
es fehlt die Farbe, es fehlt die Stimmung,
die Stadt wirkt, als habe man ihr alle Farben entzogen.
Vielleicht ist das Bild nur ein Abbild meiner Seele,
doch deiner Stimme am Telefon fehlten alle Farben, 
die ich an dir kannte und liebte.
Wir lieben beide Malerei und Kunst,
wir lieben beide Literatur und Musik,
und wir wissen beide,
dass uns seit langem die Farben fehlen,
die uns staunen ließen, die uns ehrfürchtig machten,
die uns zusammen erfreuten.
Venedig, eine graue Stadt, ich möchte sie
noch einmal in den alten Farben erleben,
in den Farben unserer Liebe.
Ich fühle mich wie nach dem Besuch
der Grauen Männer,
und ich sehne mich nach Dir,
meinen Farben, meiner Stimme,
meiner Liebe.

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